Santosha – Zufriedenheit, Genügsamkeit

Was bedeutet Santosha nach Patanjali? Gemäss B.K.S. Iyengar?

Was bedeutet mir persönlich Santosha und wie übertrage ich es auf mein persönliches Leben und auf meine eigene Übungspraxis?

Yoga Sutra von Ptanjali; Kapitel 2 Vers 42:  संतोषातनुत्तमस्सुखलाभः saṁtoṣāt-anuttamas-sukhalābhaḥ

saṁtoṣāt =     von Zufriedenheit, Genügsamkeit, Dankbarkeit
anuttamaḥ =   unübertroffen, unvergleichbar
sukha =           Glück, Freude, angenehm
lābhaḥ =          Gewinn, Erlangen

nach Patanjali bedeutet Santosha „Durch Zufriedenheit gewinnt man unvergleichbares Glück.“

Zufriedenheit ist eine Entscheidende Eigenschaft auf dem spirituellen Weg. Findet der Geist nicht in der Zufriedenheit eine Ruhestätte, wird er bis in alle Ewigkeit ziellos umher irren. Es braucht Zufriedenheit, um zur inneren Ruhe zu kommen und sich ganz auf die Transformation einzulassen, wir müssen die unaufhörliche Kette von Wünschen im Geiste durchbrechen, indem wir die Zufriedenheit kultivieren. Ohne Zufriedenheit ist kein Yoga und keine Meditation möglich.

B.K.S Iyengar beschreibt im „Urquell des Yoga“, dass man durch die Reinheit des Köpers oder durch den gerereinigten Körper zur Zufriedenheit gelangt.

In „Licht auf Yoga“ erläutert B.K.S. Iyengar, dass es dem Yogi an nichts mangelt und er deshalb von Natur aus zufrieden ist. Weiter beschreibt er, dass Zufriedenheit gepflegt werden muss, denn wenn man nicht zufrieden ist, dann kann man sich nicht konzentrieren. Zufriedenheit und Ruhe herrschen, wenn die Flamme des Geistes nicht im Wind der Begierden hin und her schwankt. Also Yoga Citta-Vrrtti-nirodhah; Yoga Sutra 1.2.  Wenn die Bewegungen, die Schwankungen des Geistes zur Ruhe kommen, dann erst ist Santosha möglich.

Unser wahres Glück liegt in uns und kommt aus uns. Santosha ist die Lebenseinstellung und innere Haltung, alles so gut zu machen, wie wir können, ohne den Anspruch, perfekt zu sein, ohne den Anspruch anders zu sein, als wir gerade sind. Santosha heißt, seinen Frieden damit zu machen, als Mensch ein vollkommen perfektes unperfektes Wesen zu sein.
Santosha heißt nicht nur Zufriedenheit zu fühlen, sondern zufrieden zu sein mit allem was wir fühlen. Ja sagen zu den eigenen Empfindungen, auch zu den unangenehmen. Alles annehmen was ist. Ob gut oder schlecht, wer weiß – es ist wie es ist und so manches was wir als schlecht empfinden, stellt sich später als gut heraus. Im hier und jetzt das Beste aus allem machen – damit man sich wohler fühlt, jetzt etwas verändern.

Für mich bedeutet Santosha auch immer wieder zu reflektieren, Inne zu halten und mich zu fragen:

  • Wofür kann ich jetzt dankbar sein?
  • Womit bin ich in meinem Leben zufrieden?
  • Was genieße ich in meinem Leben?
  • Was schätze ich in meinem Leben?

Am Ende des Tages, vor dem Einschlafen stelle ich mir auch oft folgende Fragen:

  • Was hat mir dieser Tag geschenkt?
  • Wofür kann ich an diesem heutigen Tag dankbar sein?
  • Worüber konnte ich mich freuen? Worüber konnte ich lachen? Was hat mir das Herz erwärmt? Was hat mir Sorgen und Kummer ein wenig vertrieben?
  • Welchen Beitrag durfte ich heute leisten?

Aber auch zwischendurch versuch ich Inne zu halten und mich zu fragen:

  • Wie geht es mir?
  • Will ich äußeren Umständen die Schuld geben, dass ich nicht zufrieden bin oder selbst Verantwortung übernehmen?
  • Was kann ich selbst in diesem Augenblick für mein Wohlbefinden tun? Wie kann ich dafür sorgen, dass es mir hier und jetzt besser geht?
  • Was denke ich gerade? Was kann ich in meinem Denken ändern, damit es mir etwas besser geht?
  • Was tue ich gerade? Was könnte ich in meinem Tun verändern oder stattdessen tun, damit es mir etwas besser geht?

Und ganz besonders in meiner persönlichen Yoga Praxis, sowie im Umgang mit meinen Schülerinnen und Schülern, versuche ich mich immer wieder zu reflektieren, achtsam zu beobachten und mich zu fragen:

  • Wie war heute meine Yoga-Praxis? Bin ich zufrieden mit meiner Praxis?
  • Wie geht es mir nach meiner Praxis?
  • Wie habe ich heute unterrichtet?
  • Bin ich zufrieden mit meinem Unterricht?
  • Wie ist es meinen Schülerinnen und Schülern ergangen? Waren sie zufrieden? Haben sie sich wohl gefühlt?

Santosha hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Zufrieden sein gibt mir ein Gefühl von Seelenfrieden. Jedoch muss ich mich in dieser hektischen Zeit und bei all diesen Anforderungen, die von aussen auf mich einwirken, sehr darum bemühen, zumindest einmal am Tag zufrieden zu sein. Es ist nicht immer einfach und oft gelingt es mir nicht. Ich versuche oft zu sehr es allen Recht zu machen. Meinen Kindern, meinem Mann, Freundenn und Bekannten, meinen Schülerinnen und Schülern und ganz besonders mir selber. Ich bemühe mich immer wieder, einfach mit dem zufrieden zu sein, wie es jetzt ist, auch wenn nicht immer alles gelingt, sowie ich es mir vorgestellt habe. Manchmal gelingt es mir und manchmal eben nicht. Aber auch das ist in Ordnung. Ich ertappe mich dann oft dabei, wie ich selber von mir enttäuscht bin. Ich muss lernen loszulassen. Nicht alles kontrollieren zu können. Den Dingen seinen Lauf zu lassen, weniger anzufhaften. Genügsam zu sein, dann erwacht das Gefühl von Zufriedenheit immer mehr. Besonders in Hinblick auf meine persönliche Yoga Praxis. Sei es in den Asanas oder während meiner Pranayama Praxis. Manchmal fehlt mir die Zeit, die Ruhe und ich kann nicht so üben, wie ich gerne möchte. Aber auch damit kann ich zufrieden sein, zu Lernen die Dinge so anzunehmen wie sie gerade sind!