Yoga Sutra 1.33 Brahmaviharas – Die Einstellung gegenüber Anderen!

Die Brahmaviharas sind ein hilfreiches Modell zur Orientierung im Umgang mit Anderen.

Yoga Sutra, Vers 1.33 – die Brahmaviharas

1.33. मैत्री करुणा मुदितोपेक्षाणांसुखदुःख पुण्यापुण्यविषयाणां भावनातः चित्तप्रसादनम्
maitrī karuṇā mudito-pekṣāṇāṁ-sukha-duḥkha puṇya-apuṇya-viṣayāṇāṁ bhāvanātaḥ citta-prasādanam

maitri = Freundlichkeit, Liebe, Empathie, Liebende Güte
karuna = Mitgefühl, Wohlwollen, Hilfsbereitschaft
mudita = Mitfreude, Frohsinn, Begeisterung, Heiterkeit, positive Betätigung
upektsanam = Gleichgültigkeit, liebevolle Gelassenheit, verstehender Gleichmut
sukha = Freude, Glück
duhkha = Leid, Elend
punya = Tugend, Erfolg, Verdienst
apunya = Laster, Mißerfolg, Sünde
visayanam = Ziele
bhavanatah = durch Kultivierung von Haltungen, durch Verweilen in Gedanken
chitta = Verstand, das wandelbare Wesen des Menschen. Geist + Gefühl
Prasadanam = Klärung, Läuterung, Harmonie, Ruhe

 

„Der Geist wird duch die Entwicklung von Freundlichkeit, Wohlwollen, Frohsinn und Gleichmut gegenüber Freude & Leid, Erfolg und Misserfolg klar.“
oder
„Das Geist-Feld wird geklärt durch die Kultivierung von Empathie, Hilfsbereitschaft, Heiterkeit und Gelassenheit in Situationen von Freude & Leid, Erfolg und Misserfolg.“

„Wir müssen Freundschaft für alle empfinden, wir müssen den Unglücklichen gegenüber barmherzig sein, mit den glücklichen Menschen glücklich und gleichmütig gegenüber den schlechten. So behandeln wir alle Objekte, die sich uns darbieten.“

„Wenn du lernst, Liebe, Freude und Gleichmut zu praktizieren, wirst du wissen, wie die unheilsamen Geistzustände von Zorn, Kummer, Unsicherheit, Traurigkeit, Hass, Einsamkeit und Anhaften zu heilen sind!“

Konkret bedeuten die Brahmaviharas:

  • Maitri = Liebevoll und Freundlich zuhören und wohlwollend akzeptieren wie der andere ist und was er sagt. Mit Anteilnahme und Wertschätzung sollten wir uns ganz öffnen in der Begegnung. Und so ist Maitri letztlich die Basis der andren drei Punkte. Entwickeln wir Maitri vollständig, schliessen wir Karuna, Mudita und Upeksa mit ein.
  • Karuna = Mitfühlend und Emphatisch wahrnehmen was ist und welche Botschaft gesendet wird. Feinfühligkeit in der Kommunikation entwickeln und Nachrichten zwischen den Zeilen lesen. Hier geht es vor allem Mitgefühl gegenüber dem Leiden anderer zu kultivieren und Hilfsbereit zur Seite zu stehen.
  • Mudita = Uns mit dem anderen Freuen, die schönen Momente des Lebens mit dem anderen Teilen. Uns begeistern für den Enthusiasmus anderer. Es wird in der Spiritualität immer das Mitgefühl betont, dies gilt es aber nicht nur im Leiden, sondern auch im Freuen zu entwickeln.
  • Upeksa = Auf Einsicht basierter Gleichmut gegenüber dem was Geschieht. Also im Gespräch Abstand halten und vergebungsvoll über etwas hinwegsehen. Also nicht gleichgültig werden, sondern neutral beobachten und wohlwollend akzeptieren was ist.

So helfen wir jedem der uns begegnet, bei sich Anzukommen und sich selbst zu Akzeptieren. Jedoch geht es dabei weniger um die Wirkungen auf andere, als vielmehr um eine Läuterung des Geistes. Wir entwickeln ein ruhiges und friedfertiges Gemüt und können in der Meditation in die Tiefe gehen.

Brahmaviharas gegen Geistesgifte

Auch sind diese vier Punkte ein wunderbares Gegenmittel zu ungünstigen Geisteszuständen, oder den „Geistesgiften“ und „Feinden des Yogi“.

  • Maitri = gegen Böswilligkeit und Hass sowie Widerstand gegenüber dem was ist
  • Karuna = gegen schmerzhafte Zustände, Frustration und emotionale Kälte
  • Mudita = gegen Leiden, Neid, Eifersucht und Mangel an Lebensfreude
  • Upeksa = gegen Angst, Ablehnung, Verhaftung an Sinnesfreuden und falsche Identifikationen